Allergie

Unter einer Allergie versteht man eine von der Norm abweichende, das heißt gesteigerte beziehungsweise übersteigerte Reaktion des Immunsystems gegenüber einem oder mehreren Fremdstoffen (Allergene), die erst nach wiederholtem Kontakt mit diesen entsteht.

Allergien können nach den Aufnahmemöglichkeiten der einzelnen Allergene sowie nach den zugrunde liegenden Reaktionen des Immunsystems eingeteilt werden. Der Reaktionstyp bestimmt das zeitliche Auftreten wie auch die Art der Symptome, zum Beispiel lokale oder allgemeine Beschwerden.

Eine Allergie kann durch Laboruntersuchungen, etwa den Nachweis spezifischer Antikörper oder Abwehrzellen im Blut, oder durch direkte Testverfahren (Allergietests) festgestellt werden. Die Behandlung einer Allergie beginnt meist damit, dass der Kontakt zum auslösenden Allergen möglichst vermieden werden sollte. Ist dies nicht möglich, stehen Medikamente zur Verfügung, die entweder den Ausbruch einer allergischen Reaktion abschwächen oder die bereits ausgebrochene Reaktion mildern oder abbrechen. Eine Sonderform der Therapie ist die Hyposensibilisierung.

Ohne rechtzeitige Therapie können allergische Reaktionen tödlich verlaufen, wenn sich ein anaphylaktischer Schock ausbildet.

Allergie: Definition

Unter einer Allergie versteht man eine von der Norm abweichende, das heißt gesteigerte beziehungsweise übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Fremdstoffe (Allergene). Eine Allergie entsteht jedoch erst nach wiederholtem Kontakt mit diesen Allergenen. Häufig wird dafür auch der Begriff Überempfindlichkeit verwendet.

Das Abwehrsystem des Menschen (Immunsystem) schützt vor Schadstoffen und Krankheitserregern. Auch gegenüber unschädlichen Fremdstoffen reagiert es mit einer abgeschwächten Abwehrreaktion. Bei einer Allergie wird die Reaktion gegenüber diesen harmlosen Stoffen nicht gedrosselt, sondern findet in einer überschießenden, nicht angemessenen Stärke statt. Personen, deren Abwehrsystem in dieser Weise reagiert, werden Allergiker oder Atopiker genannt.

Der Begriff Allergie stammt aus dem Griechischen (allo = fremd, ergon = Reaktion). Erstmalig tauchte diese Bezeichnung 1906 bei C. v. Pirquet auf, der damit sowohl die Überempfindlichkeit (Hyperergie) als auch die abgeschwächte Empfindlichkeit (Hypergie) sowie die fehlende Empfindlichkeit (Anergie) zusammenfasste. Heute wird der Begriff Allergie ausschließlich für die erworbene Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten, von außen auf den Körper einwirkenden Stoffen verwendet.

Stoffe, die in der Lage sind, eine Allergie auszulösen, bezeichnet man als Allergene. Grundsätzlich kann jeder Stoff aus der Umwelt zum Allergieauslöser werden. Dabei kann es sich sowohl um Pflanzenstoffe (z.B. Gräserpollen), Tierprodukte (z.B. Bienengift), aber auch Metalle (z.B. Nickel) oder Chemikalien (z.B. Konservierungsstoffe) handeln.

In den letzten Jahren werden Allergien immer häufiger beobachtet und treten zunehmend bereits im Kindesalter auf. Eine mögliche Ursache dafür ist die fortwährend steigende Belastung durch Fremdstoffe in der Umwelt, aber auch veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die auch mit einem gesteigerten Konsum von Genussmitteln oder Medikamenten einhergehen.

Wissenschaftler führen das gehäufte Auftreten von Allergien auch auf eine übertriebene Hygiene in den ersten Lebensjahren von Kleinkindern zurück. So leiden Stadtkinder 15-mal häufiger an Allergien als Kinder, die auf Bauernhöfen schon frühzeitig den zahlreichen Einflüssen von Gras-, Getreide- und Baumpollen sowie Tierhaaren oder Tierausscheidungen ausgesetzt waren.

Allergieformen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Allergien einzuteilen. Im Alltag erfolgt die Einteilung am häufigsten nach dem jeweiligen Aufnahmemechanismus:

In der Medizin hat sich die Einteilung nach den zugrunde liegenden krankhaften Reaktionen des Immunsystems durchgesetzt. Der britische Pathologe Robin Coombs beschrieb 1963 gemeinsam mit seinem Kollegen Philip Gell vier Typen allergischer Reaktionen (Typ I bis IV), die auch als Mischformen auftreten können. Diese vier Reaktionstypen sind normale Reaktionsformen des menschlichen Immunsystems, die im Falle einer Allergie allerdings "über ihr Ziel hinausschießen" und so den Charakter einer Erkrankung erlangen. Die Typen I bis III werden durch Antikörper, der Typ IV hingegen durch T-Zellen vermittelt.

Typ I (Soforttyp)

Die Allergie vom Typ-I ist eine durch IgE-Antikörper vermittelte, umgehend eintretende allergische Reaktion. Durch Allergenkontakt werden spezifische IgE-Antikörper gebildet, die sich an bestimmte Zellen des Immunsystems, die so genannten Mastzellen, binden und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren, wie z.B. Histamin, bewirken. Es entstehen akute Entzündungsreaktionen, wie etwa beim Heuschnupfen.

Es existieren verschiedene Bezeichnungen für die Typ-I-Reaktion, so beispielsweise Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp. Die Symptome ihrerseits haben zu der Bezeichnung Atopie geführt. Außerdem wird der Begriff Anaphylaxie verwendet.

Typ II (Zytotoxischer Typ)

Die Allergie vom Typ-II gehört zu den antikörpervermittelten allergischen Reaktionen. Im Gegensatz zur Typ-I-Reaktion sind hier jedoch IgG- beziehungsweise IgM-Antikörper beteiligt. Beide Antikörpergruppen werden bei einer normalen Immunreaktion gegen Krankheitserreger gebildet. Bei der Allergie vom Typ-II bildet der Körper diese Antikörper gegen Antigene auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen oder Geweben. Die Folgen der allergischen Reaktion treten innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden ein und betreffen nur die Zellen beziehungsweise Gewebe, welche die entsprechenden Antigene auf ihrer Oberfläche tragen.

Ein Beispiel für eine Typ-II-Reaktion ist die Zerstörung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nach einer Bluttransfusion mit einer falschen Blutgruppe. Typ-II-Reaktionen liegen auch einigen Autoimmunerkrankungen sowie der Abstoßung von Organtransplantaten zugrunde.

Typ III (Immunkomplextyp)

Die Allergie vom Typ-III gehört wie die Typ-II-Reaktion zu den antikörpervermittelten allergischen Reaktionen, bei denen IgG- und IgM-Antikörper beteiligt sind. Charakteristisch für die Typ-III-Reaktion ist die Bildung von Immunkomplexen. Immunkomplexe sind Verbindungen aus frei löslichen Antigenen, die sich also nicht fest auf einer Zelloberfläche befinden, sowie aus Antikörpern. Solche Immunkomplexe werden normalerweise durch die Zellen der Immunabwehr beseitigt. Ist dies nicht der Fall, entstehen durch die Ablagerung der Komplexe Krankheiten, die zu den Allergien vom Typ-III gezählt werden. Es können drei große Gruppen innerhalb der Reaktionen unterschieden werden:

  • Chronische Infektionen
  • Immunkomplexerkrankungen als Komplikation bei Autoimmunerkrankungen
  • Exogene allergische Alveolitis, eine Entzündung des Lungengewebes nach Einatmen von Allergenen

Typ IV (Spättyp)

Die Allergie vom Typ-IV nimmt unter den allergischen Reaktionen eine Sonderstellung ein, da sie nicht durch Antikörper, sondern durch T-Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, vermittelt wird. Über die Aktivierung dieser T-Zellen werden weitere Abwehrzellen angelockt und aktiviert. Als Folge davon entstehen die für die Typ-IV-Reaktion charakteristischen Veränderungen, die meist die Haut betreffen. Das wohl bekannteste Beispiel für eine Allergie vom Typ-IV ist die Kontaktallergie der Haut, etwa auf Chrom- oder Nickelverbindungen. Ein weiterer Unterschied zu den anderen Reaktionstypen besteht darin, dass die Typ-IV-Reaktion verzögert abläuft, das heißt frühestens nach zwölf Stunden auftritt. Daher wird sie auch als Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ bezeichnet. Es können aber auch Tage vergehen, bis eine Reaktion sichtbar wird.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge leiden etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung unter Allergien. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Allergiker verdreifacht. Innerhalb der Allergien ist die Typ-I-Reaktion am häufigsten vertreten. Man nimmt an, dass bis zu 15 Prozent unter dieser Allergieform leiden, meist in Form von Heuschnupfen.

Allergie: Ursachen

Die Ursache für eine Allergie ist die Fehlregulation und überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems. Die eigentliche Aufgabe des Immunsystems besteht darin, Krankheitserregern, wie Bakterien, Viren oder Parasiten, abzuwehren. Nachdem solche Erreger in den Organismus aufgenommen wurden, bilden sich im Verlauf einer Infektionskrankheit spezifische Antikörper oder Abwehrzellen gegen den entsprechenden Krankheitserreger – der Körper wird immunisiert. Das bedeutet: Bei einem späteren Kontakt mit demselben Erreger erkrankt man nicht ein zweites Mal, weil sich das Immunsystem an den ersten Kontakt mit dem Erreger erinnert und unverzüglich mit der Produktion der spezifischen Antikörper beziehungsweise Abwehrzellen beginnt.

Bei der Entstehung einer Allergie laufen zunächst dieselben Reaktionen im Immunsystem ab. Nach dem Kontakt mit einem Fremdstoff bildet der Körper für dieses Allergen spezifische Antikörper beziehungsweise Abwehrzellen aus, das heißt der Organismus wird sensibilisiert. Diese Produktionsphase dauert neun bis zwölf Tage und verläuft unbemerkt. Bei einem erneuten Kontakt mit denselben Allergenen werden sofort die entsprechenden Antikörper produziert beziehungsweise Abwehrzellen aktiviert und es tritt je nach Allergie-Typ eine allergische Reaktion mit den entsprechenden Symptomen auf.

Für alle Formen einer Allergie gilt, dass sie zwar oft vererbt werden, prinzipiell aber jeder Mensch zum Allergiker werden kann. Für die Entstehung einer Allergie sind die Menge und Konzentration, der Aufnahmemechanismus und das Sensibilisierungsvermögen des Allergens von Bedeutung. So sind bei schwach sensibilisierenden Stoffen, beispielsweise Pollen, oft viele Kontakte über mehrere Jahre notwendig, bis eine Allergie ausgelöst wird. Bei stark sensibilisierenden Stoffen, wie bei Medikamenten, reichen oft ein oder wenige Kontakte aus, um eine Allergie auszulösen.

Typ I

Bei einer Allergie vom Typ-I wird durch bestimmte Allergene eine IgE-Bildung hervorgerufen. Allergene können beispielsweise Pflanzenpollen, Nahrungsmittelbestandteile, Insektengifte, Kosmetika oder Medikamente sein. Die Symptome der allergischen Reaktion werden durch die Wechselwirkung des IgE mit bestimmten Zellen des Immunsystems, den Mastzellen, ausgelöst. Mastzellen sind dadurch charakterisiert, dass sie große Mengen Histamin enthalten. Wenn das IgE an eine Mastzelle bindet, setzt diese Zelle so genannte Entzündungsmediatoren frei. Dabei handelt es sich um Stoffe, die zur Ausbildung von Entzündungen im Gewebe führen. Bei der Typ-I-Reaktion kommt dem Entzündungsmediator Histamin eine besondere Bedeutung zu. Histamin erweitert die Gefäße, erhöht die Durchlässigkeit der Kapillaren, verengt die Bronchien und lockt weitere Abwehrzellen in das Entzündungsgebiet. Beim Allergiker führen diese histaminvermittelten Wirkungen zu einer Schwellung, Rötung und verstärkten Sekretion der entsprechenden Schleimhäute sowie zu Atemnot. Mit dem Blut kann sowohl das Allergen als auch das Histamin im Körper verteilt werden und so auch an anderen Orten als der Eintrittspforte das Allergens zu entzündlichen Reaktionen führen.

Typ II

Die Ursache der Allergie vom Typ-II besteht in einer Aktivierung der antikörperabhängigen Zytotoxizität. Darunter versteht man die Zerstörung der Zellen, die auf ihrer Oberfläche bestimmte Antigene tragen, durch Prozesse, die durch Antikörper ausgelöst werden. Hierbei spielt die so genannte Phagozytose als Abwehrmechanismus des Organismus eine entscheidende Rolle. Fremdstoffe werden durch bestimmte Abwehrzellen, die Fresszellen (Makrophagen), aufgenommen und dann im Zellinneren durch Enzyme zerstört und abgebaut. Die Aufnahme dieser Fremdstoffe erfolgt durch die Vermittlung von IgG- und IgM-Antikörpern. Sind die Fremdstoffe zu groß um aufgenommen zu werden, setzen die Abwehrzellen ihre Enzyme nach außen frei. Dies führt nicht nur zu einer Schädigung des Fremdkörpers, sondern auch des umgebenden Gewebes. Bei der Typ-II-Reaktion treten an die Stelle des Fremdstoffs körpereigene Zellen und Gewebe, die durch die Prozesse der Phagozytose geschädigt werden.

Auch das so genannte Komplementsystem gehört zu den Abwehrmechanismen des Körpers. Es besteht aus mehreren biologisch aktiven Eiweißen, deren Aktivität vorwiegend gegen Zellmembranen gerichtet ist. Die Aktivierung des Komplementsystems bedarf wiederum der Vermittlung durch Antikörper. Sind diese gegen Antigene auf körpereigenen Zellen oder Geweben gerichtet, resultiert daraus ebenfalls eine Schädigung der Zellen.

Typ III

Die Ursache der Allergie vom Typ-III liegt in der Entstehung von Immunkomplexen aus freibeweglichen Antigenen und Antikörpern. Normalerweise werden diese Immunkomplexe von den Zellen des Immunsystems erkannt und durch Mechanismen wie die Phagozytose beseitigt. Ist dies nicht der Fall, können die Immunkomplexe sich im Gewebe ablagern und Entzündungsreaktion in Gang setzen, die eigentlich zum Ziel haben, diese Komplexe zu beseitigen. Zunächst werden biologisch wirksame Eiweiße im Blut aktiviert, die eine vermehrte Durchblutung des Gewebes bewirken und insbesondere Abwehrzellen anlocken. Außerdem verbessern sie die Durchlässigkeit der Gefäßwände für Abwehrzellen, die schließlich versuchen, die Immunkomplexe durch Phagozytose zu beseitigen. Da dies aufgrund der Größe der Immunkomplexe und der Bindung an das Gewebe nicht gelingt, setzen sie ihre Enzyme nach außen frei und schädigen somit das Gewebe.

Durch die gesteigerte Blutzufuhr gelangen außerdem vermehrt Blutplättchen (Thromobozyten) in das Entzündungsgebiet. Sie können sich ebenfalls an die Immunkomplexe anlagern und auf diese Weise Mikrothromben, also kleinste Blutgerinnsel, bilden, was zu einer Verstopfung der kleinen Blutgefäße führen kann. In der Folge stirbt das nicht mehr durchblutete Gewebe ab, was über Funktionsstörungen bis zum Verlust eines Organs führen kann.

Typ IV

Die Ursache der Allergie vom Typ-IV besteht in einer zellvermittelten Abwehrreaktion gegenüber Allergenen, die über eine längere Zeit im Körper anwesend sind und nicht über andere Mechanismen beseitigt wurden. Es gibt verschiedene Krankheitserreger und Fremdstoffe, die nicht zu einer Antikörperbildung führen, nachdem sie in den Körper eingedrungen sind. Stattdessen aktivieren sie Abwehrzellen, welche zu ihrer Beseitigung dienen. Unter den Abwehrzellen gibt es eine Untergruppe, die T-Lymphozyten, die in der Lage sind, bestimmte Allergene zu erkennen. Kommt es zu einem Kontakt zwischen einem Allergen und T-Lymphozyten, so produzieren diese Substanzen (Lymphokine), die andere Abwehrzellen, etwa Fresszellen (Makrophagen), anlocken und so Entzündungsreaktionen auslösen.

Allergie: Symptome

Symptome treten bei einer Allergie solange auf, wie die Allergene im Organismus vorhanden sind. Die Art der Beschwerden ist nicht vom Allergen selbst, sondern vom zugrunde liegenden Reaktionstyp abhängig. Dieser bestimmt auch das zeitliche Auftreten der Beschwerden. Sie können entweder sofort (Sofortreaktion) oder erst nach Stunden (verzögerte Soforttypreaktion) oder Tagen (Spätreaktion) auftreten.

Grundsätzlich können allergische Reaktionen sowohl zu örtlich begrenzten, lokalen, als auch zu allgemeinen, generalisierten Beschwerden führen.

Lokale Beschwerden äußern sich im Allgemeinen dort, wo der Kontakt mit dem Allergen stattgefunden hat, etwa an den Schleimhäuten der Atemwege mit Niesen, Schnupfen oder Atemnot, an den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts mit Erbrechen oder Durchfall oder an der Haut mit Nesselsucht oder Hautausschlägen.

Allgemeine Beschwerden im Rahmen allergischer Reaktionen können im ganzen Körper auftreten, wenn sich das Allergen mit dem Blut im Organismus verteilt. Besonders betroffen ist dabei das Herz-Kreislauf-System, indem sich die Herzfrequenz beschleunigt und Blutdruck abfällt. Die schwerste Ausprägung einer allergischen Reaktion vom Typ I ist der anaphylaktische Schock, der meist mehrere Organsysteme gleichzeitig betrifft und innerhalb weniger Minuten zum Tod führen kann.

Allergie: Diagnose

Die genaue Diagnose einer Allergie ist aufgrund der Vielfalt der möglichen Allergene häufig sehr schwer. Derzeit sind über 20.000 Allergene bekannt. Um die Zahl der Stoffe, die eine Allergie auslösen können, einzuschränken, ist vorab eine Befragung des Betroffenen wichtig, in der geklärt wird, wann die Beschwerden auftreten und wann sie schlimmer werden.

Je nach Reaktionstyp kann der Arzt verschiedene Verfahren anwenden, um festzustellen, auf welchen Stoff die allergische Reaktion erfolgt. Neben Laboruntersuchungen, in denen zum Beispiel spezifische Antikörper oder Abwehrzellen im Blut nachgewiesen werden können, werden auch Allergietests (Provokationsuntersuchungen) durchgeführt, in denen bewusst ein Kontakt auf der Haut oder über die Lunge mit den verdächtigen Allergenen herbeigeführt und die Reaktion darauf beobachtet wird. Der optimale Testzeitpunkt liegt bei etwa drei Wochen bis drei Monate nach der allergischen Reaktion. Die gängigsten Hauttests sind:

  • Reibetest
  • Pricktest
  • Intrakutantest
  • Epikutantest
  • Scratch-Test

Werden bei den jeweiligen Allergietests keine auslösenden Allergene gefunden, kann dennoch eine Allergie vorliegen, da es möglich ist, dass der Verursacher nicht in den untersuchten Proben vertreten war. In diesem Fall ist es hilfreich, einen Allergiekalender zu führen, in den eingetragen wird, welche Speisen gegessen wurden, welche Medikamente eingenommen wurden und ob Kontakte zu besonderen Substanzen bestanden haben. Treten Symptome einer Allergie auf, können auslösende Allergene auf diese Weise weiter eingegrenzt und eventuell ermittelt werden.

Allergie: Therapie

Erster Schritt einer Therapie bei einer Allergie ist, nach Möglichkeit den Kontakt zur Allergie auslösenden Substanz zu vermeiden. Je nach Art des Allergens, etwa bei Pollen oder Hausstaub, kann dies allerdings sehr schwierig sein. In diesem Fall stehen noch weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Hyposensibilisierung

Die wirksamste Therapieform, die besonders bei allergischen Reaktionen vom Typ I angewandt wird, ist die Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie = SIT) beziehungsweise Desensibilisierung. Sie kann nur durchgeführt werden, wenn das auslösende Allergen bekannt und als Hyposensibilisierungslösung erhältlich ist. Während der Behandlung wird dem Allergiker über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren das entsprechende Allergen in allmählich steigenden Dosierungen gespritzt. Die Menge des Allergens wird so gewählt, dass maximal eine örtliche Reaktion, wie eine kleine Schwellung mit Juckreiz an der Einstichstelle, auftritt. Da dennoch die Gefahr einer schweren allergischen Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock besteht, sollte man nach der Injektion noch 30 Minuten unter ärztlicher Beobachtung bleiben.

Durch die Hyposensibilisierung soll das Immunsystem so beeinflusst werden, dass nicht die Antkörper, welche die Allergie auslösen (IgE), sondern Antikörper einer anderen Klasse (IgG) gebildet werden. IgG-Antikörper bildet das Immunsystem normalerweise gegen Krankheitserreger und sie entstehen nach jedem erneuten Kontakt mit dem Erreger sofort wieder. Dasselbe möchte man bei einer Allergie erreichen: Sofort nach Allergenkontakt sollen IgG-Antikörper gebildet werden und das Allergen neutralisieren, sodass dieses nicht mehr zur Bildung von IgE-Antikörpern führen kann.

Als Alternative zu Spritzen kann die Hyposensibilisierung auch mit Tropfen, die unter die Zunge gegeben werden (Sublinguale Immuntherapie = SLIT), durchgeführt werden. Diese Therapie ist aber hinsichtlich der genauen Dosierung des Allergens der Spritzentherapie unterlegen, da die Tropfengröße immer leicht variiert und die Aufnahme durch die Mundschleimhaut durch unterschiedlichen Speichelfluß oder unwillkürliches Herunterschlucken verändert sein kann.

Medikamentöse Therapie

Neben der Hyposensibilisierung steht außerdem eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, die aber nur die Symptome und nicht die Ursachen einer Allergie beseitigen können. Eingesetzt werden diese Medikamente in den unterschiedlichsten Formen: Inhaliersprays, Augentropfen, Nasensprays, Salben oder Gele für lokale und Tabletten, Zäpfchen oder Spritzen für allgemeine Beschwerden.

Zur Behandlung werden Wirkstoffe eingesetzt, die den Ausbruch einer allergischen Reaktion verhindern beziehungsweise in seiner Stärke abschwächen (z.B. Antihistaminika, DNCG) oder die bereits ausgebrochene Reaktion mildern oder sogar abschwächen (z.B. Kortison).

Antihistaminika wirken dem Botenstoff der allergischen Reaktionen, dem Histamin, entgegen. Auf diese Weise lindern sie die Symptome wie Juckreiz, Hautausschlag und Schwellungen. Die Wirkung der Antihistaminika tritt sehr schnell ein, je nach Darreichungsform bereits nach Minuten. In seltenen Fällen kann es bei der örtlichen Anwendung zu Hautausschlag kommen. Außerdem können Antihistaminika Müdigkeit verursachen, selten kommt es zu Sehstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit.

Der Wirkstoff DNCG (Dinatriumcromoglycat) verhindert, dass Histamin im Körper freigesetzt wird. Es wirkt nur vorbeugend und nicht, wenn bereits Beschwerden bestehen. Aus diesem Grund muss es regelmäßig, das heißt bis zu viermal täglich, eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das entzündungshemmend wirkt und die Symptome einer Allergie sehr effektiv bekämpfen kann. Angewandt wird es bei lokalen Beschwerden in Form von Nasensprays oder Salben, bei allgemeinen Beschwerden auch als Tabletten, Zäpfchen oder Injektion. Bei der örtlichen Anwendung treten bei kurzzeitiger Anwendung nur selten Nebenwirkungen auf. Wird Kortison inhaliert, kann es zu Pilzinfektionen im Rachenraum kommen. Kortison zur Behandlung von Symptomen am Auge sollte nur im Ausnahmefall und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Sollte Kortison über Monate oder sogar Jahre hinweg in hoher Dosierung eingenommen werden, kann das Immunsystem geschwächt werden und dadurch häufiger Infektionen auftreten. Außerdem kann es zu Osteoporose (Knochenschwund), Bluthochdruck, Gewichtszunahme, Verschlechterung des Blutzuckerspiegels bei Diabetikern, erhöhtem Augeninnendruck sowie einer dünnen, pergamentartigen Haut kommen.

Alternative Therapiemöglichkeiten

Bei einigen allergischen Reaktionen, wie dem Heuschnupfen, sind neben der medikamentösen Therapie häufig auch Akupunktur und Homöopathie erfolgreich.

Bei der Akupunktur sind etwa sechs Behandlungen notwendig, um eine Besserung zu erreichen. Diese sollten jährlich wiederholt werden.

In der Homöopathie werden Allergien mit der Gegensensibilisierung (unspezifische Desensibilisierung), einer Sonderform der Eigenbluttherapie, behandelt. Hierfür wird etwas Blut entnommen und daraus in einem Speziallabor ein individuelles Medikament hergestellt. Dieses wird nach einem genauen Therapieplan in ansteigender Dosis gespritzt. Entscheidend ist hierbei, dass im Blut alle krankheitsbezogenen Reaktionsprodukte vorhanden sind. Die auslösenden Allergene müssen also nicht bekannt sein und auch unerkannte Allergene werden erfasst.

Allergie: Verlauf

Komplikationen

Die möglichen Komplikationen einer Allergie richten sich nach dem zugrunde liegenden Reaktionstyp. Sie können grundsätzlich von der Entwicklung einer chronischen Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung über Asthma bronchiale bis hin zu dauerhaften Organschäden oder in Einzelfällen ohne rechtzeitige Therapie zum Tod führen.

Prognose

Da es viele verschiedene, unterschiedlich stark ausgeprägte Allergieformen gibt, ist auch die Prognose für diese nicht einheitlich. Allergien können sich nach Jahren zurückbilden, vor allem, wenn der Kontakt zu den Allergenen vermieden wird. Auch ein gleichbleibendes Beschwerdebild über Jahre hinweg ist möglich.

Andererseits ist auch ein Wandel des auslösenden Allergens möglich, das heißt dass sich eine Pollenallergie später in eine Allergie gegen Konservierungsstoffe umwandeln kann.

Allergie: Vorbeugen

Erster Schritt, um einer allergischen Reaktion vorzubeugen, ist es, möglichst den Kontakt zu den entsprechenden Allergenen zu vermeiden (Expositionsprophylaxe). Je nach Art des Allergens, etwa bei Pollen oder Hausstaub, kann dies allerdings sehr schwierig sein.

Für Pollenallergiker bestehen vielfältige Möglichkeiten, sich über aktuelle Belastungen der Luft zu informieren. Telefonische Informationsdienste, Radio und Fernsehen, das Internet sowie viele Tageszeitungen bringen täglich aktualisierte Informationen zum Pollenflug verschiedener Pflanzen. In besonders schweren Fällen kann ein Orts- beziehungsweise Klimawechsel sinnvoll sein.

Auch bestimmte Berufe, wie Reinigungskräfte, Krankenpflegepersonal, Ärzte oder Friseure können eine Allergie auslösen oder verschlechtern. Da durch den häufigen Kontakt mit Wasser die natürliche Hautbarrierefunktion zerstört wird, können Allergene besser in die Haut eindringen und dort eine allergische Erstreaktion des Körpers hervorrufen. Spezielle Pflegeprodukte mit Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol, Urea, Sanddorn oder Aloe Vera können den natürlichen Säureschutzmantel der Haut stärken, für einen ausreichenden Feuchtigkeitsgehalt sorgen und so die Beschwerden lindern.

Allergiker sollten grundsätzlich nicht rauchen, weder aktiv noch passiv, und auf Nahrungsmittel ohne Zusatzstoffe achten. Säuglinge, deren Eltern an einer Allergie erkrankt sind, sollten – wenn möglich – mindestens bis zum sechsten Monat gestillt werden, um die Entwicklung einer Allergie möglichst hinauszuschieben.

Da Stadtkinder wesentlich häufiger an Allergien erkranken als Kinder, die auf dem Land groß werden und schon frühzeitig den zahlreichen Einflüssen von Gras-, Getreide- und Baumpollen sowie Tierhaaren und Tierausscheidungen ausgesetzt waren, muss bei Stadtkindern eine sinnvolle Vorbeugung schon in den ersten Lebensjahren einsetzen. Dazu gehört etwa das Spielen im Matsch oder etwas verschmutzter Umgebung oder ein Urlaub auf dem Land.

Sind ein oder mehrere Allergene genau identifiziert, stellt der Arzt einen Allergiepass aus, in dem alle Allergie auslösenden Stoffe aufgeführt sind. Außerdem wird beschrieben, worin diese enthalten sein können. Dies ist besonders für Medikamente und Nahrungszusatzstoffe (z.B. Konservierungsstoffe), aber auch für Kosmetikinhaltsstoffe, Gummibestandteile und andere wichtig. Besonders Allergiker, die bereits ernsthafte Komplikationen erlitten haben, sollten diesen Allergiepass und ihre Notfallmedikamente immer bei sich führen.

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